AUF DEN SPUREN SELTENER REBSORTEN

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Die Aktualität des Westschweizer Terroirs

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Road Trip auf den Spuren Seltener Rebsorten

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ROAD TRIP AUF DEN SPUREN SELTENER REBSORTEN


Sie heissen Cornalin, Amigne, Durize, Mondeuse Noire, Freiburger oder Räuschling und werden seit Generationen, manche sogar seit Jahrhunderten, angebaut. Dank einer Handvoll engagierter Winzerinnen und Winzer existieren sie auch heute noch. Wir nehmen Sie mit auf eine Reise und erforschen die kaum bekannten autochthonen Rebsorten der Schweiz.

Vom Wallis bis in den Kanton Zürich, auf den Spuren seltener Rebsorten und ihrer Geschichte

In der Schweiz gibt es Hunderte von Rebsorten. Sie spiegeln den Reichtum unserer Terroirs wider, die Generationen von Winzern geprägt haben. Lernen Sie gemeinsam mit uns sechs davon kennen. Dabei geht die Reise vom Wallis über die Genferseeregion bis nach Vully.

An diesem Morgen verschwindet ein Grossteil der Schweiz unter Nebel und Regen, während wir Richtung Wallis fahren, wo die Sonne mit ihren goldenen Strahlen das Rhône- Tal überflutet. Im Rückspiegel weichen die Betonbauten der Ebene nach und nach den Steilhängen des Südufers mit ihren üppigen Rebflächen. Einige Saisonarbeiter, die wie bunte Tupfer in der grünen Weite wirken, sind mit letzten Entlaubungsarbeiten beschäftigt, während die Trauben in Ruhe bis zur Lese heranreifen. Gut 2000 Sonnenstunden und 600 Millimeter Niederschlag pro Jahr – dieser Kanton bietet wahrlich hervorragende Voraussetzungen für den Weinbau und ist deshalb der ideale Ausgangspunkt für unsere Reise, auf der wir die seltenen Rebsorten des Landes entdecken wollen. Unseren ersten Stopp legen wir bei Maurice Zu!erey ein, der oberhalb von Siders eine der typischsten Rebsorten des Kantons, den Rouge du Pays, anbaut. In Anlehnung an den roten Edelstein wird diese Rebsorte auch als Cornalin – französisch für Karneol – bezeichnet. Diese Rebsorte ist eine Kreuzung aus Mayolet und Petit Rouge, die beide aus dem Aostatal stammen. Sie wird heute ausschliesslich im Wallis angebaut, wo sie als heimische Sorte gilt. Dieser Ruf ist zum Teil dem Onkel unseres Gastgebers, Charles Caloz, zu verdanken. «Lange Zeit wurden nur geringe Mengen produziert, da die Einheimischen hauptsächlich Weisswein tranken. Rotwein galt eher als Medizin. Doch in den 1960er-Jahren beschloss er, mit alten Edelreisern neu zu starten. Seither tun dies fast alle Kellereien und diese Sorte liegt inzwischen wieder voll im Trend», strahlt Maurice Zufferey und nimmt uns zu seinen neun Hektar Rebfläche zwischen Muraz und Venthen mit. Von hier oben bietet sich ein atemberaubender Ausblick auf den Rothorn, das Val d’Anniviers und den Hügel mit dem Schloss Ravire. Doch der Winzer hat nur Augen für seinen Cornalin. Zwar liebt diese Rebsorte die kalkigen und wenig lehmhaltigen Böden der Region, ist aber dennoch sehr anfällig. «Durch das Kupfer nimmt das Laub leicht eine rote Färbung an, das Ende der langen Trauben trocknet aus und die Beeren mit der zarten Haut bekommen manchmal einen Sonnenbrand», erklärt er und zeigt uns einige typische Anzeichen. «Zudem kann sie in einem Jahr sehr robust sein und im nächsten weniger, was nicht einfach zu handhaben ist.» Um diesen Problemen zu begegnen, haben der Winzer und sein Team in den vergangenen Wochen die überschüssigen Trauben sowie die unteren Traubenenden entfernt. Diese Arbeit ist dem Walliser wichtig. Und jedes Jahr produziert er zwischen 5000 und 6000 Flaschen, die im Tank oder im Barrique-Fass ausgebaut werden. Wieder im Keller wird es Zeit für eine Verkostung. Eine dunkle Farbe, eine würzige Nase mit Schwarzkirsche sowie ausgewogene, elegante Tannine prägen diesen Wein, der inzwischen bis nach Genf verkauft wird.

WEINVIELFALT

Etwa zwanzig Kilometer von hier ist eine weitere seltene, räumlich begrenztere aber ebenso symbolträchtige Rebsorte der Stolz der Winzer. Die Rede ist vom Amigne, einer sehr alten weissen Rebsorte römischen Ursprungs, die es nur im Wallis und dort hauptsächlich in Vétroz gibt. Und wer wäre besser dafür geeignet, uns etwas darüber zu erzählen, als Vincent Papilloud, der die Sorte hier in vierter Generation anbaut? Trotz des Hagelzugs, der am Vorabend über die Region gefegt ist, begrüsst er uns mit

 

«Der Cornalin wurde lange Zeit nur in geringen Mengen produziert, da die Leute hauptsächlich Weisswein tranken. Rotwein galt als Medizin.»

 

einem Lächeln auf den Lippen. «Mindestens drei Minuten lang sind vier Zentimeter grosse Hagelkörner niedergegangen. Es war schrecklich. Zum Glück waren die Trauben noch grün und hatten nur einen geringen Zuckergehalt, wodurch sich die Fäule in Grenzen halten dürfte. Wir werden Kupfer ausbringen, damit die Reben schneller abtrocknen, und versuchen zu retten, was zu retten ist», erklärt er und deutet dabei auf das Ausmass der Schäden. In normalen Zeiten liegt der Ertrag des Winzers bei dieser Rebsorte mit den langen, lockerbeerigen Trauben, die zwischen dem für die Region typischen schwarzen Schiefer gedeiht, im Schnitt bei einem Kilo pro Quadratmeter. Der findige Vincent Papilloud erzeugt daraus eine grosse Weinvielfalt. Der typischste: ein trockener, tanninreicher Weisswein mit Noten von Mandarinen und Orangenzesten, der wundervoll mit pikanten Fleisch-, Fisch- und asiatischen Gerichten harmoniert. «Er ist sü »g, leicht im Mund und macht Lust auf mehr», strahlt er. Zu seinen anderen Spezialitäten zählt ein Schaumwein aus traditioneller Flaschengärung, ein in einer Sandsteinamphore ausgebauter Orange Wine sowie eine Spätlese aus edelfaulen Beeren. «Hier erfolgt die Lese im Winter, bisweilen bei Schnee, damit sich der Zucker in den Beeren konzentrieren kann», betont der Winzer, der den Grossteil seiner Weine dank einer seit mehreren Generationen treuen Kundschaft direkt vermarktet.

SORTENREICHE TERROIRS

Die Schweiz dürfte zirka 250 Rebsorten auf 15!000 Hektar zählen und am häufigsten werden derzeit der Chasselas und der Merlot angebaut. Sie lassen sich in drei Gruppen aufteilen: die heimischen Sorten, die importierten Sorten (wie der Pinot Noir oder der Gamay) und die Kreuzungen aus unterschiedlichen Sorten. Die Vielfalt spiegelt den Reichtum unserer Terroirs wider und erzählt dabei die Geschichte von Familien, die diese Terroirs seit Generationen prägen.